Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
dagegen hätte, bei solchen Gelegenheiten den Gottesdienst zu verrichten, ich sagte "Nein", worauf er erwiederte, man hätte geglaubt, daß ich mich weigern würde.

Den 31ten März 1842.
Herr Driver wünschte, daß ich einige Eingeborene in die Stadt holen möchte, zu Wegweisern auf die beabsichtigte Expedition. Ich ritt daher mit Innes nach Wadnelli und brachte 12 Schwarze mit, die alle über die geschehene Mordthat entrüstet zu sein schienen.

Den 2ten April 1842.
Um 8 Uhr Morgens brach die Parthie auf, bestehen aus 8 Personen zu Pferde und 6 Eingeborenen, Munta, Illa, Tumba, Yumba, Tubu und Yuta. Sie nahmen uns bei dem grünen Hügel vorbei in nordwestlicher Richtung bis Wirrinyata [mit], theils weil sie glaubten, die Mörder würden sich aus Furcht tief ins Innere gezogen haben, theils weil eine frische Spur dahin führte, theils vielleicht auch, weil sie ihr Känguru zu braten wünschten, das unsere Hunde für sie gefangen hatten. Allein Driver glaubte, sie hätten uns zum besten und suchten uns von den Mördern wegzuführen; er ward sehr aufgebracht, als er dicht bei Wirrinyata sah, in welcher Gegend ( 109 ) wir waren und befahl den Eingeborenen, uns in grader Richtung nach Tolilye zu führen. Als wir etwa 3 - 4 Meilen über hügeliges und gestrüpvolles Land gegangen waren, kamen wir in ein schmales Thal, wo Munta mehrere frische Fußtritte bemerkte und gleich darauf auch die Mordbande von Ferne sitzen sah. Die Eingeborenen hatten alle strengen Befehl, beim Anblick der Mörder sich ganz stille zu verhalten, welchem gemäß Munta gleich die Hand auf den Kopf legte und zurück wich, als er das Lager erblickte. Es wurde ein kurzer Halt gemacht, um die Parthie zu sammen reiten zu lassen und dann in vollem Galopp das Thal hinabgesetzt in der Gegend des Lagerplatzes. Sobald wir übrigen über die kleine Erhöhung kamen, welche uns bisher unsichtbar gemacht hatte, brach das ganze Lager auf, und floh in verschieden Richtungen. Nur noch 4 Männer und ein Paar Weiber waren sichtbar, als wir in dem Lager antrafen; den uns zunächst stehenden Mann schoß Stewart nieder auf Drivers Befehl, der wiederholt ausrief: "Knock him over!" Als er geschossen wurde, hatte er keine Waffe in der Hand. Ich fragte ( 110 ) Driver, warum er zu Feuern befähle, wenn die Leute gefangen genommen werden könnten? Darauf erwiederte er, wollte keine Gefangenen, man könnte doch nichts mit ihnen machen. Auf drei andere Eingeborene, die halb Wegs auf dem Berge standen, wurde noch gefeuert, ohne daß einer von ihnen fiel, doch sagten unsere Begleiter, daß zwei von ihnen, Multa und Mulya, verwundet seien. Oben auf dem Berge fanden wir eine hochschwangere Frau, die sich in einem hohlen Baume zu verstecken suchte, und bei deren Anblick der Sergeant fragte, ob er sie schießen sollte? Als wir wieder herunter zu dem Lagerplatze kamen, sahen wir vier fremde Eingeborene bei unsern Begleitern stehen, von denen drei gleich fortliefen, der vierte aber, Ngulga, blieb stehen, von unsern Eingeborenen umgeben und vorgebend, er sei kein Mörder. Obgleich Niemand dies glaubte, so mochte doch keiner auf ihn schießen, sondern man bedrohte ihn blos und hieß ihn die Speere niederlegen. Wir setzten den drei Weggelaufenen nach, allein sie waren

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