Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838

Mai 1838 - September 1838

Aufzeichnung der wichtigsten Vorfälle während meiner Reise von London nach Adelheid(1) in Süd-Australien.

Von London nach Plymouth

( 1 ) Den 27ten Mai 1838. Sonntag.
Montags vor Pfingsten(2) ging ich an Bord des Schiffes Pestonjee Bomanjee(2a) (2b). Das Wetter war an diesem Tage sehr unfreundlich und der Wind [uns] entgegen. Dieser Umstand hinderte indeß unsere Abreise nicht, da unser Schiff von einem Dampfbote die Themse hinab gezogen wurde, wie denn das jetzt gewöhnlich zugeschehen pflegt. Da wir das Schiff während zweier Tage nicht gesehen hatten, so waren wir sehr erstaunt beim Anblick der Menschenmenge, die sich an Bord befand. Um sich das Getümmel und Gewimmel vorzustellen, darf man nur den Flächenraum eines mittelmäßigen Schiffes und die Zahl derer bedenken, welche sich darauf bewegt, die 260 Seelen beträgt außer der Schiffsmannschaft. Rechnet man nun letztere noch hinzu, so kömmt gewiß eine Gesamtzahl von wenigstens 300 Seelen heraus.

Die Reisenden sind nach ihrem Stande und Vermögen in 3 Abtheilungen ( 2 ) getheilt, von denen die erste in der Hauptkajüte, die zweite im Zwischendeck, die drittein einem Raume wohnt, den die Engländer "steerage" nennen. In der ersten Kajüte ist alles sehr nett und reinlich, hinreichend Licht und gutes Essen; im Zwischendeck aber, worin wir uns befinden, fehlt es in der einzelnen Kajüte an frischer Luft, an Licht und im allgemeine an zugehöriger Aufwartung. Dies alles rührt von der übergroßen Menge Leute her; statt daß im Zwischendeck eigentlich nur zwei Reihen Kajüten sein sollten, zu beiden Seiten eine und [in] der Mitte ein breiter Gang, hat man in letzterm noch eine dritte [Reihe] angebracht, so daß zwischen dieser und den Seitenreihen nur auf jeder Seite ein schmaler Gang bleibt. Es leuchtet ein, daß das durch diese Einrichtung den einzelnen Kajütendas erforderliche Licht sammt der frischen Luft benommen ist. Noch schlimmer fast aber ist, daß das Speisezimmer nun so klein geworden ist, daß nicht alle am Tische Platz haben können. Ebenso fehlts es an hinreichenden Kochanstalten, so daßlange nicht alles zubereitet werden kann, was für jeden Tag bestimmt ist. Hierbei kommen die im Zwischendeck am Schlimmsten weg, indem die in der Hauptkajüte uns natürlich vorgezogen werden ( 3 ) und die in der "steerage", welche meistens aus ganzen Familien bestehen, selbst kochen und braten.Wenn nun so alle Kochanstalten in Beschlag genommen sind, so gehen wir leer aus. Eine andere Unbequemlichkeit liegt in dem Mangel an Aufwärtern, so daß Gabel und Messer und dergleichen oft so schmutzig ist, daß mans nicht anblicken, viel weniger damit essen möchte.

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