Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838
Summa: Die Reisenden im Zwischendeck vermissen ganz und gar die Bequemlichkeit, die sie versprochener Maaßen erwartet hatten, weshalb auch alle höchst unzufrieden sind und einige sich vorgenommen haben, darüber gehörigen Orts Beschwerde zu führen(003a) (003b).

Den 28ten Mai 1838.
Bei Gravesend(004), etwa eine deutsche Meile von London entfernt, hatte uns am vorigen Tage das Dampfschiff verlassen und unser Schiff vor Anker gelegt. Auch ging der Gouverneur [Gawler](005) hier wieder ans Ufer, mit der Absicht, in Plymouth(006) mit seiner Familie wieder an Bord zu kommen. Weshalb wir hier bis heute liegen blieben, kann ich selbst nicht sagen, vielleicht daß man blos auf den Capitain wartete, der heute erst an Bord kam. Wir hatten denselben nach unseren frühern Beobachtungen für einen rohen Mann gehalten, zu unserer Beschämung und Freude haben wir erst jetzt eingesehen, daß wir zu schnell geurtheilt hatten, indem derselbe ein freundlicher und ( 004 ) ganz anständiger Mann ist. Nachmittag wurde der Anker gelichtet und wir gingen mit günstigem Winde die Themse hinab. Sobald wir aber in die offene See kamen und uns nach Westen wenden mußten, war derselbe Wind ungünstig für uns und blieb auch fast ununterbrochen so, bis wir nach Plymouth kamen. Natürlich wurden wir dadurch lange aufgehalten und kamen erst am 4ten Juni im Hafen von Plymouth an.

Während unserer Fahrt von London hierher kam nichts merkwürdiges vor, außer daß ein Mann durch Gottes gnädige Fügung vom Wassertodt gerettet wurde. Um Wasser zu schöpfen, war er auf die Seitenwand des Schiffes gestiegen, wurde aber plötzlich durch ein vom Winde bewegtes Segeltau hinunter ins Wasser geschleudert. Sofort beeilte man sich, ein Boot los zu machen, um ihm zu Hülfe zu kommen. Dies war aber so fest [gemacht], daß man nicht so bald damit fertig wurde; daher hätte der Mann, obwohl er etwas schwimmen konnte, vor aller Augen ertrinken müssen, wenn nicht grad ein Fischerkahn in der Nähe gewesen wäre, der den Verunglückten auffing und an Bord brachte; denn konnte er gleich schwimmen, so ging das Schiff doch viel zu schnell, als daß er es hätte so lange aushalten können, bis ein Boot ihm hätte zugeschickt werden können. Da dieser Mann seine Familie an Bord hatte, so sagte man aus Rücksicht gegen seine

( 005 ) Frau, es sei ein Knabe über Bord [gegangen]; was man aber mit dieser frommen Lüge einer Seits verhindern wollte, bewirkte man auf einer andern Seite, indem nun jede Mutter von Söhnen fürchtete, es möchte ihr Sohn sein, und daher solche mit Zittern und Zagen aufs Vordeck stürmten, bis sich zur ihrer Beruhigung die Täuschung zeigte.

Der erste Sonntag, den wir an Bord erlebten, fiel während dieser Fahrt. Es war höheren Ortes anbefohlen, daß, im Falle kein Geistlicher der Kirche von England oder irgend ein anderer Diener des Wortes an Bord wäre, der Artzt die Gebete lesen sollte. Weil nun wir zugegen waren, so wünschte derselbe seinen Auftrag [an] uns [zu] übertragen; ich trug Bedenken, diesem Wunsche meine Zustimmung

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