Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838
Viele sind indeß unzufrieden mit dieser Art des Gottesdienstes, theils weil sie nicht alle hören und verstehen können, theils weil sie ihn für nicht zu den gegenwärtigen Umständen passend halten. Natürlich sind die so urtheilen Dissenter(7), deren wir genug von der buntesten Farbe an Bord haben, als Presbytherianer(8), Methodisten(9), Baptisten(10), Herrnhuther(11) und so weiter. Unter den Methodisten wollten mir gleich anfangs einige Männer sans façon [zwanglos] beweisen, daß die Lehre von der Dreieinigkeit ganz falsch sei, daß der Sohn und der heil. Geist geringer seien, als der Vater, und so nur dieser der wahre Gott sei. Eine Hinweisung auf mehrere Stellen im Evangelio Joh. und namentlich auf den letzten Vers im ersten Briefe Johannes befriedigte ihn zwar nicht, aber beschwichtigte ihn doch, nebst meiner Erklärung, daß ich mit jemand, der ein Christ zu sein vorgebe, nicht über einen so ganz unchristlichen Gegenstand disputieren könne; seitdem hat er mich ganz zufrieden gelassen.

Den 4ten Juni 1838.
Wie schon erwähnt worden, kamen wir heute in Plymouth an; seit mehreren Tagen hatten wir kein Land mehr gesehen, um so überrasch[end]er war es, heute, sobald wir aus den Betten kamen, von der grünen steilen Ufern Plymouths begrüßt zu werden. Wegen des ungünstigen Windes hatten wir Schwierigkeit in den Hafen [zu gelangen], nach einem oder einigen mißlungenen Versuchen gelang es indeß. Sobald als der Anker ( 7 ) geworfen war, kamen einige an Bord, Einer von ihnen brachte uns Briefe von [George Fife] Angas(12), einen für uns, und einen Empfangsbrief an einen Herrn in Adelheide. Nachdem er sich in unserm Briefe entschuldigt, daß er nicht in London von uns Abschied genommen, gibt er uns folgende sechs Andeutungen

1) Vorläufig habe er uns eine Konto in der Bank von Adelheid eröffnet, wegen künftiger Unterstützung wolle er Anweisung von Dresden abwarten, [und uns] Sparsamkeit anempfehlen, überflüssiger Weise.

2) Der Gouverneur, der uns so gütig aufgenommen [habe], würde uns bei unserer Ankunft gewiß gerne mit seinem Rathe beistehen, dasselbe würden [die] Herren McLaren(13) und Howe(14) thun.

3) Nach seiner Meinung müßte unsere erste Arbeit sein, uns mit den Eingeborenen Adelheids, ihrer Sprache, ihren Sitten u.s.w. bekannt zu machen, eine Schule zu errichten, mit solchen Eingeborenen, die unser Vertrauen verdienten, Ausflüchte zu machen; auf diese Weise würden wir uns den Weg bahnen zu einer Niederlassung beim Zusammenfluß des Murray und Darling als die geeignetste Stelle. Dieser Rath in Betreff der Niederlassungsstelle scheint nicht frei von Handelsspeculationen zu sein.

Die Deutschen würden uns wesentlichen Beistand leisten; Anpreisung des Williamschen Werkes.

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