Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838

Erziehung der Heidenboten anführen ließen, bei erster Gelegenheit niederzuschreiben, was denn hiermit geschieht.

Im allgemeinen würde, wenn die Heidenboten auf den Hochschulen Deutschlands gebildet würden, eine engere Verbindung zwischen der Mutter- und Tochterkirche unter den Heiden herbeigeführt werden. Daß aber diese Verbindung ein Vortheil für beide Theile sei, ist schon von so vielen erkannt und ausgesprochen worden, daß es unnöthig ist, darüber noch weiter ein Wort zu sagen. Indeß wird dieser allgemeine Vortheil erst in seinem ganzen Umfange begriffen werden, wenn man folgende einzelne wohl beherzigt. Durch die Bildung der Heidenboten auf den Hochschulen

1) würde aller Schein der Absonderung, welcher jetzt noch auf dem Werke der Heidenbekehrung, namentlich auf der Bildungsweise der Boten, liegt, entfernt und somit mancher ( 026 ) für die heilige Sache gewonnen werden, der ihr jetzt um des erwähnten Scheines willen fern steht.

2) würden die Zöglinge Gelegenheit haben, wenigstens mit dem gläubigen Theil der Studenten Bekanntschaften und Freundschaften anzuknüpfen, sie würden mithin unter ihren Amtsbrüdern daheim manchen Freund zählen; und daraus würde ohne Zweifel der Vortheil erwachsen, einmal daß mancher Student sich für den Dienst Christi unter den Heiden entschiede, dem die Sache jetzt zu fern liegt, und dann, daß diejenigen, welche in der Heimath blieben, durch die persönliche Bekanntschaft mit unseren Heidenboten bewogen [würden], [und] diese wichtige Sache ihren künftigen Gemeinen nahe legten.

3) würden die Heidenboten selbst, ganz wie ihre Amtsbrüder in der Mutterkirche erzogen, sich mit dieser als auf gleicher Stufe stehend und inniger verbunden fühlen, wogegen sie jetzt sowohl von andern als von sich selbst als geringer angesehen werden.

4) würden dieselben Zugang zu denjenigen Bildungsmitteln haben, welche ihnen in den stets wechselnden Missionsanstalten nicht geboten werden, ich meine nämlich zu dem Unterricht tüchtiger, gründlicher und bleibender Lehrer, und zu den Büchervorräthen, die sich gewöhnlich in Verband der Hochschule finden, sowie auch endlich zu dem ermunternden und bildenden Umgange fleißiger und gescheiter Hochschüler.

( 027 ) Daß hierin eigentlich der größte und einflußreichtse Vortheil besteht, ist nicht schwer einzusehen.

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