Seine steilen Wände scheinen es unmöglich zu machen, ihn ohne alle Vorrichtung zu besteigen, gleichwohl hörte ich von Herrn Pastor Neumann(040a) (040b), daß solches früher schon von deutschen Matrosen und neuerdings von einigen englischen Seeofficieren geschehen sein solle; indeß bezweifelte auch er die Möglichkeit. Zu beiden Seiten des Einganges zum Hafen liegen Festungen, die denselben vollkommen beherrschen, und jede Eroberung unmöglich machen. Von einer derselben wurden wir angeredet, und nachdem die gewünschte Auskunft über unser Schiff durch ein Sprachrohr ertheilt war, zündeten sie ( 031 ) ein helles weitscheinendes Licht an, zum Zeichen unserer Ankunft für eine dritte Festung, die mitten im Wasser, nicht weit von der Stadt auf einem Felsen erbaut ist. Von dieser wurde das Zeichen beantwortet und uns, als wir eine Strecke im Hafen waren, zugerufen, unsern Anker zu werfen, was meist nicht sogleich geschah. Wir
wunderten uns über diese englische Insolenz [Anmaßung], die so wenig die Gesetze fremder Häfen achten, recht sahen wir am folgenden Tage, daß dieselbe vor andern englischen Schiffen, vermuthlich von einem Kriegsschiffe noch viel weiter getrieben wurde, indem sie viertel, halbe Stunden lang und länger die Festungsbeamten schreien ließen: "Let go your anchor", bevor sie es thaten. Zum Beweise, daß ihr solcher Befehl ein Ernst sei, feuerte die Festung ein Mal eine Kanonenkugel ab, deren Schwirren wir deutlich vernehmen konnten.
Den 4ten August 1838.
Am heutigen Morgen sahen wir uns erst nach Rio um, das wir gestern Abend nicht sehen konnten, und fanden, daß es an der Südwestseite des Hafens liegt.
Gegen über liegt eine kleine Stadt Rio Grande(041), die ihre Verbindung mit Rio durch ein alle Stunde abfahrendes Dampfboot erhält. Gegen 9 Uhr kam ein amtliches Boot zu [uns], das sich nach unserm Zweck und Gesundheitszustand erkundigte und dem Capitain die Hafengesetze in portugies., französ. und engl. Sprache überbrachte. Erst darauf war es erlaubt, ans Land zu gehen. Ein Boot, von unserm Schiff, das von diesem ans Land wollte, mußte wieder umkehren. Da viel Reisende vom Schiff ans Land gingen,
( 032 ) da es ferner am folgenden Tag Sonntag war, und wir zudem nicht wußten, wie lange das Schiff hier liegen bleiben wird, so wären auch wir gern nach Rio gegangen, allein wegen Mangel an Booten eines Theils, und der Ungeschliffenheit unserer Mitreisenden anderen Theils, mußten wir diesen herrlichen Tag über an Bord bleiben.
Den 5ten August 1838. Sonntag.
Wiewohl es Sonntag war, und die Witterung nicht eben günstig, ging ich doch mit einigen Engländern ans Land, weil ich nicht wußte, ob mir die Gelegenheit dazu mehr als ein Mal angeboten werden würde. Br. Teichelmann mußte des Gottesdienst halber zurück bleiben.