Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838
Ausflucht auf [einen] nahen Hügel oder Berge mit uns zu machen, von welchen man [eine] herrliche Aussicht über die Stadt, den Hafen und zu dem gegen Nord Ost sich hinziehenden Orgelgebirge(42) [habe].

Nach seiner Aussage beläuft sich die Einwohnerzahl Rio's auf etwa 150.000 Seelen, unter denen gut zwei Drittel Negersclaven und nicht wenige Europäer [sind]. Das Loos der ersteren stellte er viel erträglicher dar, als man es in Europa sich vorstellte, namentlich war er sehr gegen das englische Treiben gegen die Sclaverei. An einem der folgenden Tage besuchten wir eins von den zwei Sclavenschiffen, die im Hafen lagen, auf welchem 238 Neger zusammengepresst waren, obwohl das Schiff nicht halb so groß war, als das unsrige. Beim Auftreiben hatte es 258 an Bord gehabt und mochte vordem noch mehr gehabt haben, indem nichts wahrscheinlicher ist, als daß bei dem engen Raume und der schlechten Nahrung mehrere gestorben waren.

Das Alter der Personen war zwischen 10 und 30 Jahren, einige wenige mochten darüber sein.

( 34 ) Die Zahl der Männer war ungleich größer als die der Frauen, indem letztere nur gegen 30 da waren. Manche Gesichter sahen allerdings sehr hässlich, träge und dumm aus, bei der Mehrzahl aber zeigte sich ein Lebhaftigkeit und Gewecktheit, daß ich keinen Anstand nehme, zu behaupten, daß diese Schwarzen derselben Bildung fähig sind, wie die Weißen.

Hätte mein Beruf mich nicht weiter zu gehen geheißen, so hätte ich mich [mit] Freude dem Anbau des Geistes dieser Schwarzen widmen können. Das Schicksal dieser Leute war erst seit Kurzem von der brasilianischen Gerechtigkeit entschieden, nämlich, daß sie frei sein sollten.

Sehr oft sagte man mir, wenn Rechtmäßigkeit oder Gültigkeit des Fanges eines solchen Schiffes nicht erwiesen werden kann, so bleiben sie Sclaven; und auch in dem Falle, wenn sie frei gesprochen werden, verbessert sich ihr Loos nicht sonderlich, weil sie mehrere Jahre lang von der Regierung bei einzelnen Besitzern in Dienst gethan werden, zur Deckung der Unkosten, die ihre Freilassung verursacht hat; wenn nun einer von den zwanzig oder dreißig Negern eines solchen Sclavenbesitzers stirbt, so sagt er alsbald, es sei der freie Neger gewesen und schiebt letzteren unter seine wirklichen Sclaven. So wie ich, wird mancher fragen: "Aber warum lassen sich die Neger das gefallen?" Darauf ward mir zur Antwort:

"Wenn die Neger herrüber [kommen], wissen sie aus Mangel an Kenntniß der portugiesischen Sprache [nicht] viel, was mit ihnen vorgeht, und die Sclavenbesitzer sind habsüchtig und ungerecht genug, ihnen nie zu sagen, daß sie frei sind; und bei dem allen sieht die Regierung der Sclaverei auf alle mögliche Weise durch die Finger, sonst müßte es den Behörden leicht [sein], derlei Ungerechtigkeit zu verhüten.“

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