Unter anderen Gegenständen der Unterhaltung kamen wir auch auf die kirchlichen Verhältnisse des Vaterlandes und
( 35 ) die Stellung der lutherischen Gesellschaft gegen die berlinische zu sprechen, wobei es sich dann heraus stellt, daß er sehr für die preußische Kirche eingenommen war und ganz falsche Vorstellungen von dem Zwecke der Dresdener Gesellschaft
(43) hatte, indem er glaubt, sie sei entstanden, um der Berlinischen
(44) entgegen zu wirken. Die starke Gemüthsbewegung, welche er hierbei verrieth, machte mir nicht geringe geheime Freude, indem ich daraus schloß, daß die Unirten
(45) sich vor uns fürchten und somit die eigentliche Unrechtmäßigkeit ihres Beginnens eingestehen. So sehr wir aber auch in unsere Überzeugung über Kirche und Missionsgesellschaften von ein ander abwichen, so hinderte dies doch nicht, daß er uns Abends sehr wohl in einem Gasthofe bewirthete. Hier lernten wir zwei andere Deutsche kennen, nämlich den Hamburger Consul
(46) und einen andren Kaufmann, die die mit dem Herrn Pastor auf einem sehr vertraulichen Fuße zu leben scheinen. Die Stellung des letzteren scheint von manchen Seiten mit nicht geringen Versuchungen begleitet zu sein, einmal wegen der weltlichen Landsleute und dann wegen des hohen Fußes, auf welchem er dort lebte. Er sprach nicht selten von Gesellschaft, und namentlich von dem deutschen "Club Germania"
(47), welcher sich auch am Tage unserer Ankunft zur Feier des Geburtstages des Königs von Preußen versammelt hatte. Und auf welchem hohen Fuße er lebte, geht aus seinem hohen Gehalte hervor, das sich auf 2.000 rtl [Reichsthaler] beläuft, sowie auch aus dem Umstand, daß er sich ein Reitpferd hält.
Bei so bewandten Umständen muß freilich die
( 36 ) Kirche traurig danieder liegen, wie denn daraus hervor geht, daß nach Angabe des Pastors von 500 Deutschen kaum 30 dem Sonntags-Gottesdienste beiwohnen. Da ich jetzt einmal von Neumann rede, will ich alles, was ich über ihn zu sagen habe, hier beitragen, obschon es der Zeit nach hier nicht her gehört. Sein ganzer Haushalt besteht außer ihm aus zwei Personen, einem alten deutschen Kirchendiener und einem Negersclaven.
Die Kirche liegt ganz an der Ausseite der Stadt, dicht an einem Berge, und besteht aus einem einfachen einstöckigen Hause, dessen lange Vorderseite zu einem geräumigen netten Saale gemacht und in dessen Hinterhause der Pastor seine Wohnung hat. Ein großer Mangel bei ihrem Gottesdienste ist, daß sie nicht singen können, da ihnen sowohl eine Orgel, als ein guter Vorsänger fehlt, und was noch viel schlimmer ist, die vornehmen Kaufleute selbst sich des Singens schämen. Ich erkundigte mich nach einer deutschen Schule, erfuhr aber zu meinem Leidwesen, daß weder jetzt eine solche vorhanden, noch Hoffnung da sei, daß bald eine entstehen werde, obwohl schon die Rede davon gewesen [sei]. Die Erziehung der Kinder, sagte man mir, finde gewöhnlich in portugiesischen Schulen statt, oder werde ganz vernachlässigt. Den Brasilianern ertheilte Neumann ein besonderes Lob. Die Europäer kommen wenig in Berührung mit [ihnen], indem jeder die Gesellschaft seiner Landsleute sucht. Ich war in zwei brasilianischen Kirchen