Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838

In dem letztern war behauptet worden, daß die Bibel das englische Volk zu dem weisesten, religiösesten und glücklichsten in der Welt gemacht ( 038 ) habe; aber daß widerlegte der Pater mit schlauer Benutzung seiner Kenntniß von dem kirchlichen und sittlichen Zustand Englands ganz treffend und ich bedauerte nur, daß er die kirchliche Zerrissenheit und die große Sittenverderbniß namentlich in London als Beweise gegen das Lesen der Bibel gebrauchte. Daß alle Bemühungen Spauldings in der angefangenen Weise auf die katholischen Brasilianer zu wirken, fruchtlos sein werden, ist so klar, wir die Sonne. Er hatte einen Vorrath von deutschen und englischen Bibeln und Neuen Testamenten, und wir waren ihm sehr dankbar, daß er uns mit einer bedeutenden Anzahl von beiden, namentlich der ersteren, versah. An seiner Stelle sollte ein Mann von größeren Gaben und Kenntnissen stehen, als ich an Spaulding wahrnehmen konnte, um etwas aus zu richten.

Den 12ten August 1838. Sonntag.
Nachdem wir über 8 Tage hier gewesen [waren], verließen [wir] an diesem Sonntag mit dem besten Winde den Hafen von Rio de Janeiro; gegen Mittag hatten wir das Land aus dem Gesicht verloren.

Den 25ten August 1838.
hatten wir einen seltsamen Auftritt an Bord. Schon seit längerer Zeit hatte sich zwischen einem jungen Mädchen aus unserer mittleren Kajüte und dem zweiten Steuermann ein Liebesverhältniß gebildet, welches immer mehr und mehr ausartete, und sowohl auf die andern jungen Leute einen nachtheiligen Einfluß [aus]übte, als auch Vielen gerechten Anstoß gab. Aus dieser Ursache war es uns allen sehr lieb, daß sie sich entschlossen, sich an Bord trauen zu lassen.

Hierbei kam nun natürlich unsere Stellung zur englischen Kirche zur Sprache, und was ich voraus wußte, erfolgte, nämlich, daß [wenn] eine Trauung von uns vollzogen [würde], [diese] nicht allein ungültig sondern auch strafbar sei. Br. Teichelmann schien dies nicht wenig zu ärgern und er sprach ernstlich davon, das Lesen der engl. Kirchgebete aufzugeben; die Freude, welche mir ich jetzt genoß, war mir mehr als Ersatz für die Schmach, ( 039 ) die mir meine frühere standhafte Weigerung verursachte.

Ich erinnerte jetzt [an] den Gouverneur, der uns sagte, daß wir nicht befugt wären, Glieder der Kirche von England zu trauen, denn, daß wir nach denselben Gesetzen keine Erlaubniß hätten, den Gottesdienst der engl. Kirche zu halten; und daß meine Weigerung theils aus diesem Grund, theils auf dem Zweifel ruhe, daß meine Kirche ein solches Verfahren billigen würde, und daß ich also um meines öffentlichen Amtes, wenn auch nicht um meines Gewissens willen, hätte weigern zu müssen geglaubt. Allein er meinte, die englische Kirche würde es nicht mißbilligen, wenn wir ihren Gottesdienst verrichteten und meinen andern Gründen lieh er kaum ein Ohr, nach nicht englischer Weise, außer sich nichts gelten zu lassen; ich hätte nicht sollen die Eintracht stören, war seine Ansicht.

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