Tagebuch Adelaide
Oktober 1838 - November 1838
erst eine Gruppe von drei Eingeborenen, einen Mann mit zwei Weibern, dann eine von vier, einen Mann mit zwei Weibern und einem Kind. Ich redete beide an und fand, daß die Männer weniger Neigung hatten, mit sich sprechen zu lassen, als die Frauen. Sie sind von mittlerer Größe, die Männer von starken Gliedmaßen, namentlich einer hohen Brust. Ihr Haar ist gerade und streng schwarz, bei den Männern in starken, etwas langen Locken herunter hängend, nicht selten mit einer rothen Ockerfarbe beschmiert, um die ( 46 ) Hitze abzuhalten. Die Weiber tragen ihr Haar eben so wie die Männer, eine Handbreit lang und blos, nur vermißt man bei ihnen die Locken und die Ockerfarbe. Die Hautfarbe ist lange nicht so schwarz wie bei den Negern, sondern mehr braun; ihre Gesichtsbildung ist nicht selten sehr schön, der einzige für den europäischen Geschmack häßliche Zug ist die glatte breite Nase. Die Weiber sind lange nicht so schön, wie die Männer; ihr Gesicht hat nicht [die] Länge wie das der Männer, ihre Stirn [ist] nicht so frei, ihr Kinn ungeschmückt mit dem edlen Bart der Männer, aber ihr[e] Backen bedeckt mit dünnem glatten Haar, gegen alle Begriffe von weiblicher Schönheit.

Wir hatten von einigen Herren, die gestern am Land waren, von einem Landsmann Namens Sievers(56) gehört; ihn suchten wir daher zuerst auf. Er ist Aufseher eines Magazins der Süd-Australischen Gesellschaft(57), ein alter Artillerie Offizier aus Hannover. Er nahm uns sehr gastfrei in seinem ganz aus Eisen in der Gestalt eines halben Cylinders gebauten Magazine auf, und beherbergte uns auch die Nacht, da wir, weil wir am folgenden Morgen Geschäfte in der Stadt hatten, nicht wieder an Bord gehen wollten. Freilich war unser Lager nicht das sanfteste; es bestand aus zwei Brettern, überdeckt mit Jacken; wir bedeckten uns jeder mit einem Soldaten Mantel und erwarteten so eine wenigstens mittelmäßige Ruhe; aber theils ließen die Kälte, theils die unausstehlichen Flöhe uns kein Auge zu thun.

Herr Sievers wohnt in einer Gegend, wo sich die Eingeborenen oft und häufig zu versammeln pflegen, so daß wir bei ihm die beste Gelegenheit hat[ten], in der ganzen Stadt sie zu beobachten. Sie sind ihm sehr gewogen und er [ist] sehr vertraut mit ihnen; er weiß sie auf verschiedene Weise zu beschäftigen, der eine holt ihm Wasser aus dem Bache, der andere holte ihm Kaffee, der dritte ( 47 ) Brot, der vierte endlich macht Feuer an vor dem Magazin, wobei er seinen Kaffee kocht. Die Belohnung für solche kleine Dienste ist Brot, Pfeifen, Erbsen und dergleichen. Wenn die andern solches sehen, verlassen sie ihre in der Nähe brennenden Feuer und bestürmen ihn um eine kleine Gabe. Überhaupt ist Bettelhaftigkeit der widerlichste Zug bei ihnen. Der Stamm in der Stadt bekommt jetzt von der Regierung tägliche Gaben, bestehend in Zwieback und ähnlichen Lebensmitteln, aber trotz dem sind sie stets hungrig, und betteln überall um Brot und Geld.

Sie kennen einige englische Brocken, um sich dies und das zu fordern, aber unter sich sprechen sie stets mit anscheinend großer Geläufigkeit ihre eigene Sprache. Ich fragte einige nach dem Namen der Sonne, der Benennung der Glieder des Körpers und so weiter, die sie mir mit großer Bereitwilligkeit angaben; überhaupt

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