Tagebuch Adelaide
Oktober 1838 - November 1838
sind sie nicht ungütig, aber ordentlich arbeiten wollen sie durchaus nicht. Wie man die Eingeborenen Neu-Hollands(58) als ohne Gleichen häßlich, so hat hat man sie auch als zum Erschrecken dumm dargestellt; wie aber das erste nicht ganz wahr, so ist das letzte durchaus falsch. Im Gegentheil findet man bei ihnen eine Lebhaftigkeit, Gelehrigkeit und Gewecktheit, wie man sie nur immer wünschen kann. Kömmt man zu einer Gruppe, so ist gleich ihre Frage: "Your name"; hat man sie beantwortet, so fangen alle an, einer nach dem andren, ihre Bemerkungen [zu machen], die stets mit einem scherzhaften Lachen begleitet sind. Vor einigen Tagen fragte ich einen, wo seine Lubra (Frau) wäre; nachdem er mir dieselbe gezeigt [hatte], fragte ich ihn durch Fingerzeichen, ob er mehr als eine hätte, worauf [er] mir zwei Finger zeigte. Ich schüttelte den Kopf und zeigte ihm einen ( 48 ) Finger; darauf lachte der Mensch aus vollem Halse und gab mir zu verstehen, daß andere drei bis vier hätten. Übrigens scheinen die Weiber nicht sehr gut behandelt zu werden; wenn sie Brot oder Fleisch [hatten], so nahm es immer der Mann in Empfang und gab der Frau nachher, so viel er wollte. Anfangs glaubte ich, daß vielleicht [der] Mangel [an] Nahrung die Frauen so unverhältnißmäßig dünn mache; aber man hat mir nachher gesagt, daß das frühe Heirathen Schuld daran sei.

An diesem Abend hatten sie einen ihrer gewöhnlichen Tänze, Coroberi [Corroboree](59) genannt; es war Nacht, und so konnte man nur ihr Gesinge hören, welches sie dabei machen. Augenzeugen indeß versichern, daß es sehr hübsch sein soll; sie scheinen [sich] dabei in dem Gebrauche ihrer Waffen zu üben, die in einem, aus hartem, an einem Ende gebrannten und dann gespitzten Holze gemachten Speere, einer Keule und einem Dinge besteht, mit dem sie die Speere abstoßen und welches diese Gestalt hat:


(Abb. 01) Woomera [Wurfhilfe]

Den 15ten October 1838.
Nachdem wir gefrühstückt und uns einige Stunden mit den Schwarzen unterhalten hatten, gingen wir zur Bank, wo wir unsere Briefe von Angas abgaben, um Geld zu bekommen. Aber wie erstaunten wir, als wir vernahmen, daß wir erst nach Ablauf von 3 Monaten 25 £ bekommen könnten. Der Bankverwalter war gütig genug, uns den Brief lesen zu lassen, und wir fanden darin einen Auszug aus P. Wermelskirch's Brief an Angas, des Inhalts, daß Angas uns einen Wechsel auf 100 £ jährlich, von dem alle 1/4 Jahr 25 £ zu heben seien, aus stellen solle. Dies hatte er gethan, aber ( 49  ) auch weiter nichts. Nun saßen wir da, verlassen von unsern Freunden, ohne einen Heller in der Tasche, und das an einem Orte, wo man ohne im geringsten verschwenderisch zu sein, leicht 1/2 £ täglich ausgeben kann. Wie war ein solches Verfahren der Gesellschaft und des Herrn Angas aus zu legen, war es Absicht, war es Nachlässigkeit, Beides zugleich; Absicht war, uns jährlich nicht mehr zukommen zu lassen als 100 £; Nachlässigkeit war, daß man nicht dafür

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