Tagebuch Adelaide
Oktober 1838 - November 1838
gesorgt hatte, daß uns das Geld vorab bezahlt würde. Was sollte ich in solcher Lage denken? Was anders, als daß während wir sicher waren, unsere angeblichen Freunde die Karten legten. Was solle ich thun? Sollte ich weibische Thränen weinen? Sollte ich mit den Zähnen knirschen? Oder sollte ich stummem Harme erlauben, mir das Herze abzufressen. Alles war abwechselnd der Fall.

Trost- und rathlos gingen wir wieder nach dem Ufer, wo wir unsere Lage dem frühern Comptorist des Herrn Angas, Calton(60), und seinem gegenwärtigen Geschäftsführer hier mittheilten. Beide waren der Meinung, daß unsere Lage durch ein Mißverständniß des Herrn Angas herbeigeführt sei, daß sich durch ihre Vermittlung leicht beseitigen lassen werde. In dieser Hoffnung machte wir Anstalt, unser Zelt und die übrigen Sachen auf einer von Ochsen gezogenen Karre nach der Stadt schaffen zu lassen, und uns auf einem Acker des Herrn Angas, neben Herrn Lesters(61) Wohnung, nieder zu lassen.

Den 16ten October 1838.
gingen [wir] mit den meisten unserer Habseligkeiten nach der Stadt, einige Kisten nebst dem Zelte mußten jedoch zurück bleiben, weil ( 50  ) man sie im Schiffsraum nicht finden konnte. Glücklicherweise war das eine Ende von Herrn Lesters Wohnhütte unbewohnt, in dem wir vorläufig unsere Wohnung aufschlugen, bis wir unser Zelt und einen für unsern Beruf gelegeneren Platz gefunden haben werden. Unser nächster Nachbar ist eine deutsche Familie mit Namen Pfender(62), bei der wir eine sehr freundliche Aufnahme fanden. Sie haben 2 Kinder, von denen das jüngste 2 Monate alt ist und am nächsten Sonntag durch einen von uns getauft werden soll. Frau Pfender ist die einzige Landsmännin hier; und ich bemerke hier beiläufig, daß derjenige ein wohlgefälliges Werk thun und sich um seine hier lebenden jungen Landsleute sehr verdient machen würde, der ein halbes Hundert Landsmänninnen vermögen [dazu bringen] wollte, hieher auszuwandern. Viele junge Deutsche möchten sich gern verheirathen, aber nur mit ihren sanften, anspruchslosen, dieselbe Zunge redenden Landsmänninnen; es ist sehr begreiflich, daß sie die stolzen, weniger gefühlvollen Engländerinnen nicht leiden mögen.

Den 17 October 1838.
gingen wir nochmals zu dem gegenwärtigen Bankverwalter; aber weder wir noch Herr Lester konnten ihn vermögen, uns unser Vierteljähriges im Voraus zu geben, weil das bei Handlungsdienern und ähnlichen Geschäftsleuten nie der Fall sei; und so fanden wir, daß wir in der Reihe gewöhnlicher Söldner hier stehen. Wir gingen dann zu dem Independentenprediger Stow(63), fanden ihn aber nicht zu Hause, da er bei der Einholung und Ausrufung des königlichen Stadthalters zugegen war. Um 1 Uhr legt Seine Excellenz in seiner von Silber und Gold strotzenden Hauptmannstracht, seinen Eid ab, vor dem Regierungshause, redete dann zu dem Volke und wurde mit einen rauschenden “Hurrah“ begrüßt.

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