Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
Den 3ten August 1839.
In aller Frühe machten wir uns heute Morgen wieder auf den Weg, um bei Zeiten, da wir nur noch 16 englische Meilen hatten, in Adelaide zu sein, allein die Erschöpfung und besonders der Schmerz meiner Füße waren so groß, daß wir erst um 2 Uhr Mittags ankamen. Die letzten drei oder vier Meilen mußte ich wieder in Socken gehen, nicht zu erwähnen die starke Erkältung, welche ich mir zugezogen [hatte].

( 100 ) Den 5ten August 1839.
Abends ging ich mit Herrn Moorhouse und Teichelmann zu den Eingeborenen, die Piltawodlinga alle verlassen und sich nach der Südseite der Stadt begeben haben, vorgeblich weil an letzterem Orte mehr Holz sei als an ersterem, eigentlich aber wohl, weil in Piltawodlinga ein Todesfall vorgekommen [war]. Es freute [mich], daß sie mich so theilnehmend und häufig fragten, woher ich käme und dergleichen meine Reise angehende Fragen. Als ich ihnen erzählte, daß ich einen getrockneten und bemahlten Leichnam gesehen [hatte], sagten sie mir, daß die Parnkamejo nicht den Leib, sondern die Knochen eines Todten begraben.

Den 8ten August 1839.
Es ist abermals ein junger Mann der Eingeborenen gestorben, von dem man glaubte, daß er erschlagen [worden] sei. Zu diesem Gerüchte hat wahrscheinlich der Aberglaube der Eingeborenen beigetragen und zwar um so[ein]leuchtend, als der Gestorbene nicht lange krank war und die Eingeborenen sehr aufgeregt sind, so daß man auf Seiten der Südmänner wie auf der der Ost- und Nordmänner einem Streit entgegen sieht.

Den 9ten August 1839.
Ein Besuch von Pastor Kavel, der die Nacht bei mir verweilte, um, ehe er nach Hahndorf(124) ging, von Herrn Flaxman(125) Abschied zu nehmen, der in den nächsten Tagen über Ostindien nach Europa zurückgeht. Herr Flaxman hat Teichelmann und mir zusammen die Summe von 15 £ Sterling geschenkt.

Den 10ten August 1839.
Heute Morgen hatten die Eingeborenen die Hütte, in welcher der Mann gestorben war, verlassen und sich neue gemacht. Wo der Leichnam gelegen hat, graben sie die Erde auf und machen einen kleinen ( 101 ) Haufen. Fragt man sie, wozu, so antworten sie, winko*, was heißt Lunge oder Athem, so daß ich glaube, die Eingeborenen suchen das Leben eines Verstorbenen.

Den 12ten August 1839.
War ich mit Moorhouse nach Patta wilyange* [Buschland mit Gummibäumen], weil wir glaubten, die Leiche würde heute begraben, welches indeß nicht der Fall war, da sie so lange damit warten wollen, bis die Südmänner kommen. Als wir zurück kamen, besuchte der Gouverneur Piltawodlinga in Begleitung seiner Frau und [Herrn] Halls. Als letzterer mich nach dem Erfolg

Seite zurück
zur Gesamtübersicht "Clamor Wilhelm Schürmann"
Seite vor