Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
Ich fragte Bertha, ob sie denn in meinem frühern Benehmen nichts geahnt hätte; sie antwortete, wenn ihr auch manches aufgefallen sei, so hätte sie doch nicht geglaubt, daß ich mich um sie, eine geringere Person, bewerben würde. Meinem Vorschlage, mit Herrn Fiedler über unsere Angelegenheit zu reden, stimmte Bertha bei, ja es sei ihr sogar angenehm. Ich wünschte ihre Gegenwart, allein sie meinte, da ihr Vater ihre Gesinnung kenne, und da ich ja nun auch wisse, daß sie sich entschieden zu mir zeige, so seis ihr lieber, wenn ich mit ihrem Vater unter vier Augen reden wollte. Das that ich dann auch, und er gab mir die tröstliche Versicherung, daß ich ihm lieber sei als Schlinke, dessen wahres Christenthum und ächte Liebe er in Zweifel zog; Ansprüche, sagte Herr Fiedler auf meine Frage, hätte Schlinke gar ( 113 ) nicht.

Herr Julius Fiedler(129), sagte sowohl Bertha, als Herr Fiedler, [er] habe nie irgend eine Verbindung mit Bertha gehabt, und wenn er sie gehabt [hätte], sagte Herr Fiedler, so würde er Bedenken getragen haben, sie zu bestätigen. --

O Herr!
mein treuer Gott, Du hast bis hieher mir geholfen, sei mir ferner gnädig; und schenke mir meine schöne Rahel, meine sanfte Sara, meine aufmerksame Lydia, meine der christlichen Gemeine nützliche Phöbe(130) -- meine theure geliebte Bertha; so will ich Dir danken und lobsingen. Amen.

Den 29ten August 1839.
Abends schrieb ich einen Brief und einige Brocken Dichtung an meine Bertha, in welchem erstern ich ihr den Eindruck beschrieb, welche ihre Erklärung in Betreff Schlinkes auf mich gemacht habe und ihr dann erzählte, wie Schlinke sowohl mich, als dessen Neigung zu Bertha ihm bekannt war, als auch sie zu hintergehen gesucht habe, indem er nicht ihre Person, sondern ihr Geld suche, nach dem zu urtheilen, was er über seine Anträge in Hamburg selbst geäußert [habe].

Den 30ten August 1839.
Heute ging ich nach Klemzig, begleitet von dem Eingeborenen Kauwadla warinja, der meine Tafel holte. Wir aßen beide zu Mittag bei Herrn Fiedler, worauf ich meinen Begleiter voran schickte und den Nachmittag in Gesellschaft meiner geliebten Bertha zubrachte. Nachdem sie meinen Brief gelesen [hatte], gab sie mir dankend ihre Hand, hinzusetzend, sie wäre erstaunt über Schlinke, der nicht ihre Person, sondern ihr Geld suche. Sie hätte ( 114 ) ihm früher gesagt, fuhr sie fort, daß er keine Schätze mit ihr erhalten würde, worauf er ganz entrüstet erwiedert, ob er denn solche gefordert hätte? Meine Antwort darauf war, der Mensch hätte kein Herz und sei darum ihrer Liebe unwerth; und sie entgegnete, Schlinke solle von nun an vor ihr sicher sein. --

Es war anfangs nicht meine Absicht, den ganzen Nachmittag in Klemzig zu verweilen, um so weniger als Schlinke heute heraus kommen wollte, allein da

Seite zurück
zur Gesamtübersicht "Clamor Wilhelm Schürmann"
Seite vor