Bertha grade deshalb meine Gegenwart zu wünschen schien, so kam ich gern ihrem Wunsche entgegen. Schlinke kam, nachdem wir ihn nicht mehr erwartet [hatten] wirklich an, mich der Bertha gegenüber sitzend antreffend; er schien anfangs betroffen und blieb es auch den ganzen Nachmittag, ohne Zweifel ahnend, wie die Sachen stehen, gleichwohl wagte er nicht auf dem Rückwege, den wir mit einander machten, mich zu fragen, sagte mir aber auf den Busch klopfend, daß Bauer nach Bertha freie. Letztere war bei Schlinke's Eintritt offenbar sehr verlegen, denn ein hohes Erröthen bedeckte ihr ganzes Gesicht, als sie ihm, wie mir schien, kalt und mit geflissentlicher Gleichgültigkeit, die Hand reichte.
Sobald Schlinke abwesend war, sagte mir ein lächelnder Blick von Bertha, welchen Eindruck seine dann und wann
sichtbare Ritterlichkeit auf sie mache; sie war augenscheinlich anhänglicher heute, als ja vorher namentlich beim
Weggehen, um so bedeutender war es für mich,
( 115 ) daß sie meine zweimalige Bitte, mir zu schreiben, ablehnte, angeblich, weil es ihr schwer fiele und sich hingegen meinen öfteren Besuch ausbat. Geschah das aus Blödigkeit oder dem Gefühl ihrer Schwäche, oder versagte sie mir meine Bitte, um nicht in die Versuchung zu kommen, mir schon jetzt bestimmte Erklärungen zu machen?
Spät Abends war Br. Teichelmann bei mir, der mein Verhältniß mit Bertha zu ahnen scheint, indem er mich dessen
scherzweise beschuldigte und rieth, sie mit mir nach Encounter Bay zu nehmen, ihre herrlichen Eigenschaften und ganze Liebenswürdigkeit mir anpreisend. Ein Zug in ihrer Gesichtsbildung war ihm nicht schön genug, sonst würde er sich selbst um sie beworben haben; er wollte mir aber denselben nicht sagen, damit wir, wenn wir die Köpfe zusammensteckten, nicht darüber plaudern könnten.
Den 1ten September 1839. Sonntag.
Es war eine große Aufregung unter den Eingeborenen, indem die Südmänner die Ostmänner angreifen wollten, vorgeblich, weil dieselben geschimpft hätten, in der That aber wegen des jüngst verstorbenen Bruders von
Mullawirraburka, den die Ostmänner erstochen haben sollen und wegen alten Haders. Ich stellte ihnen, zum ersten Mal zu dem ganzen Haufen redend, das Unrecht ihrer Feindschaft vor und daß die Ausflucht, jene hätten sie geschimpft, nicht gelte, indem sie ihnen zuerst Anlaß dazu gegeben [hätten], und jetzt die Angreifer wären und darum alle Schuld hätten. Wenige
( 116 ) stimmen mir bei, Viele, z. B. Itjamaiitpinna, behaupteten wild und leidenschaftlich ihr Recht, die Meisten machten meine Vorstellungen lächerlich. Gleichwohl bin ich überzeugt, daß Mehrere einen Stachel im Gewissen behalten haben und eine Furcht vor dem Feuer bekommen haben, in welches Jehova alle Bösen stoßen wird. Gegen Abend waren Br. Teichelmann und ich bei den Ostmännern, denen wir die Feindschaft der Südleute erzählten und die sehr ordentlich waren. Zu meiner nicht geringen Freude sah ich unter ihnen einen Mann, Namens Ngannoaltuwitpenna, den ich mit den Herren Kook und Meier früher bei Mount Barker
(131) gesehen hatte. Wir hatten uns verirrt und waren sehr durstig, weshalb wir es für keinen geringeren Dienst anzusehen hatten, daß uns der