Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
erwähnte Eingeborene Wasser und den Weg zeigte. Trotzdem es finster war, erkannte er mich gleich wieder und nach einigem Hin- und Hersinnen erinnerte ich mich auch seiner; groß war unser beider Freude, als ich ihm erzählte, wo wir uns getroffen [und] daß er uns Wasser gezeigt [hatte] und so weiter und wir uns also deutlich wieder erkannten.

Abends erzählte mir Br. Teichelmann zu meinem Erstaunen, daß Pastor Kavel am Charfreitage sich geweigert [hätte], ihm das heilige Abendmahl zu reichen, vorgeblich wegen seiner Spannung mit mir. Möge diese kränkende Demüthigung gute Wirkung thun, und nicht blos Abneigung gegen Herrn Pastor Kavel zur Folge haben.

( 117 ) Den 2ten September 1839.
Gemeinschaftlich mit Br. Teichelmann bei Herrn Prediger Longbottom(132); um 4 Uhr Abends wohnten wir einer Gebetsversammlung bei, die von ihm in der Methodisten Kapelle geleitet wurde.

Den 3ten September 1839.
Mit Br. Teichelmann und Herrn Meier bei den gegen Süden gelagerten Eingeborenen, von da zu [Prediger] Stow, der nicht zu Hause war, mit dessen Frau ich mich indeß wenigstens 1 1/2 Stunde unterhielt. Heute war Pastor Kavel 41 Jahre alt.

Den 4ten September 1839.
Am Nachmittag ging ich nach Klemzig, um die theure Seele zu besuchen, die dort für mich fühlt. Sie war gerade abwesend im Garten, weshalb ich mich an Herrn Fiedler wandte, der hinterm Hause mit dem Pflanzen junger Obstbäume beschäftigt war. Er erzählte mir, daß am Montage Schlinke's Kupplerinn, die Schwägerin Schliefke's(133), und am Dienstag Schlinke selbst in Klemzig gewesen seien, sowie daß Bertha gegen die erstere ein unvorsichtiges Wort aus meinem Briefe haben fallen lassen. Schlinke selbst habe ihn gefragt, weß er sich zu versehen habe, worauf er erwiederte, es käme auf Bertha an.

Bertha war unterdessen zurück gekommen, und trat mir so liebenswürdig und so liebevoll entgegen, wie ich sie noch nie gesehen [hatte]. Glücklicher Weise waren wir eine Zeit lang alleine, wo sie mir erzählte, was ich schon von ihrem Vater gehört hatte, aber mit dem Zusatze, selbst wenn ich zurückträte, würde sie ein derartiges Verhältniß mit Schlinke nie eingehen. Sie meinte, sie hätte einen sauren Nachmittag gehabt, da dieser lieblose Liebhaber sich gestellt, als ob sein Herz ganz gebrochen wäre über ( 118 ) der Kälte, mit der sie ihm begegne. Er habe sie gefragt, woher sie komme und sie habe vielerlei geantwortet, allein er habe gemeint, das alles könne es nicht sein, es sei nicht hiereichend. Sie habe deshalb vor, ihm noch diese Woche ihre runde Meinung zu schreiben, da er versprochen [habe], am Sonntage wieder zu kommen, um nicht abermals in ähnliche Verlegenheit zu kommen. --

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