Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
Den 25ten September 1839.
Bis 3 Uhr Nachmittag blieb ich in Klemzig. Herr Fiedler hatte mich schon Tags zuvor zum Mittagbrot eingeladen, und als dies verzehrt war, setzte sich Bertha wieder zum Nähen nieder, während deß ihr Vater schlief. Zwar hatten wir schon den Morgen manches mit einander gesprochen, allein unmöglich war mir's, jetzt fort- ( 140 ) zugehen. Wir sprachen und tranken oder nippten vielmehr bis 3 Uhr, sie mich immer zum Bleiben nöthigend. Als ich Herrn Fiedler meine lange Versäumniß klagte, sagte er mir zu Trost, daß es ihm unter gleichen Verhältnissen eben so gegangen sei. Bertha begleitete mich auf dem Weg einige Schritte, und als ich sie scherzend fragte, ob sie mitgehen wolle, meinte sie, an gutem Willen fehle es nicht. Alle Tage entwickelt sie eine große Fülle von Klugheit und Gefühl; vor einiger Zeit, als wir von der bevorstehenden Zukunft sprachen und dem brieflichen Verkehr, erinnerte sie mich an eine Stelle in meinem ersten Briefe, wo ich gesagt [hatte], das todte Papier sei ein sehr mangelhaftes Mittel, meine Gefühle ihr mitzutheilen, hinzufügend, sie sei anderer Meinung, meine Briefe seien ihr so sehr lieb und so weiter.

Abends war der mir schon bekannte Eingeborene von Neusüdwallis bei den Eingeborenen hinter meinem Hause, begleitet von seinem Landsmann. Der letztere ist ein ungleich gebildeterer und besserer Jüngling, 19 Jahre alt, getauft und im Waisenhause erzogen. Er hat nach seiner Aussage 3 Schwestern und 2 Brüder auch beide Eltern noch am Leben. Er kannte die Buchstaben, konnte jedoch nicht lesen; er schien mir leidliche Kenntnisse der christlichen Religion zu haben. (Der Name Murrai ist aus seiner Sprache) ( 141 ) und die dort wohnenden Eingeborenen reden dieselbe Sprache. Viele Wörter klingen der hiesigen ähnlich. Er wußte, daß die Eingeborenen vom Alexandrinasee eine andere Sprache reden.

Den 27ten September 1839.
Vormittags ging ich mit Herrn Moorhouse in die Stadt nach dem Southern Cross(149), um den schon erwähnten Eingeborenen von Bathurst(150) zu sehen. Auf dem Rückwege kaufte ich für Bertha ein Kleid zu 17 1/2 Schilling.

Nachmittags ging [ich] in Gesellschaft von Pastor Kavel nach Klemzig. Er hatte gerade einen Brief von Angas bekommen, mit der Nachricht, daß 200 Deutsche aus der Gegend von Breslau auf dem Wege hieher seien.

Bei Herrn Fiedler bis gegen 1 Uhr Nachts [geblieben], wozu seine Offenherzigkeit und Gesprächigkeit veranlaßte. Als die Kleineren zu Bette gehen wollten, ersuchte mich Bertha unterdeß mit ihr heraus zu gehen; bei dieser Gelegenheit ward mir zuerst das hohe Glück zu Theil, ein liebenswürdiges und liebendes Weib, meine geliebte Bertha, zu küssen.

Den 29ten September 1839. Sonntag.
Ich war den ganzen Tag in Klemzig. Bertha ging Vormittag nicht in die Kirche, Nachmittags sprachen Pastor Kavel, ich und Krummenow über des letzteren schon

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