zeigte ihr das Gedicht: “Männertreu“
(203) von Hermann Löns
(203) , das sie recht nett fand, aber erst ein andres mal behalten wollte, nicht fügte es sich, daß ich etwas auf das Papier an sie schrieb, und es also da blieb. Wir schieden freundlich, doch nicht wie Liebesleute; es that wehe;
Allein Du, treuer Gott und Vater! wirst den Stand der Dinge gewiß bald wenden, das hoffe ich zu Dir. Thue es bald. Amen.
( 251 ) Den 29ten Februar 1840.
Bertha
schickte mir durch ihre Schwester Mathilde einige Strümpfe und neun Pfund Geld von ihrem Vater, statt es
selbst zu bringen.
Den 1ten März 1840. Sonntag.
Von Unruhe getrieben ging ich wieder nach Klemzig. Bertha bat mir während der Anwesenheit von Julius Fiedler und Ferdinand Kavel eine Tasse Kaffee an, entfernte sich aber dann, so daß ich kein Wort mit ihr reden konnte. Ich sprach mehreres mit Mathilden, die ich fragte, was Bertha zuerst und eigentlich bewogen [hätte] sich von mir zu wenden? Sie mochte es nicht sagen; auch Bertha hätte geäußert, sagen könnte sie mirs nicht, eher wollte sie es mir noch schreibe; daher ließ ich sie durch Mathilde bitten, es mir so bals als möglich brieflich mitzutheilen. Herr Fiedler, den ich noch kurz vorm Weggehen sprach, sagte, er könne nichts in der Sache thun, er gäbe mir den Rath, ihr dann und wann zu schreiben und übrigens die Sache Gott befehlen. Es geht ihm mein Leid sehr nahe, sogar sagte er, es würde mancher es ihm nicht sehr verdenken, wenn er einen Groll auf das Mädchen faßte; ich sagte ihm, das solle er nicht thun, worauf er erwiederte, er bete auch dagegen.
O Gott, Dir ist alles möglich, das zeige hier!
( 252 ) Den 2ten März 1840.
Dies war ein Tag großer Dunkelheit, Angst und Trauer; ich wollte auf Bertha verzichten und mich ganz dem Herrn hingeben, aber die Erinnerung war zu stark, der Schmerz zu groß.
Den 3ten März 1840.
Wie ich aufstand, traten mir die Worte mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit vor die Seele:
“Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubet“.
Während ich noch daran dachte,erhielt ich einen sehr tröstlichen und Hoffnung erweckenden Brief von Pastor Kavel.