Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840

ihm, obwohl er sich keines von ihr ausgebeten, sondern nur vom Vater, und sie also nichts davon wußte; sondern in Fiedlers Gegenwart machte er mir Vorwürfe, daß ich spät Abends von Klemzig käme. Ich sagte, ich brauche solchen Rath nicht, und wie er meinte, er hätte als College solches Recht, ( 190 ) erwiederte ich, er hätte nicht das Recht, was er sich dann und wann nähme, so daß Herr Fiedler sagte, wir sollten es doch nicht so weit kommen lassen.

Wie ich Bertha das erzählte, so wie daß er gesagt, sie sei ungallant, und früher, Herr Fiedler's Kinder hätten keine Bildung, [und] wies mit Bertha stände, das wisse er nicht p p, bat sie mich mit einer entzückenden Milde und Sanftmuth, ich sollte mich nicht darüber so sehr ärgern, zugleich einräumend, daß er ein ungesitteter Mensch sei. Sie meinte, sie hätte es längst gefürchtet, daß sie Herrn Teichelmann nicht gebildet genug sei, was ich ihr freilich auszureden suchte. --

Wie ich Abends von Teichelmann nach Hause ging, begegnete mir nicht weit von dem Lagerplatz ein Eingeborener, der auf meine Fragen nicht recht mit der Sprache heraus wollte, und wie ich ein wenig weiter kam, sah ich jemand hinter einem Haufen Schindeln verstecken, ich fragte: Nganna mejo?* [Welcher Mann?], bekam aber keine Antwort, sondern statt dessen kam die Person auf mich zu, und wie ich wieder fragte Nganna mena parni nabu?* [Wer ist da? Komm heraus!] und keine Antwort erhielt, ergriff ich das Hasenpanier(179) [die Flucht], da ich gar keine Verteidigungswaffe bei mir hatte. Den andern Morgen lag in Wirraitpinnas Hause das Mädchen, um welches sich die Eingeborenen heute Morgen geschlagen hatten, vielleicht daß das dies die Person war, die sich hinter den Schindeln zu verstecken suchte.

( 191 ) Den 16ten Dezember 1839.
Der Beschützer Herr Moorhouse und ich hatten heute wiederum eine lange und lebhafte Unterredung über die Ansprüche der Ureinwohner und die Hoffnungen, die man in Beziehung auf sie, namentlich die Alten unter ihnen, sagen könnte. Daß er die gerechten Ansprüche der Eingeborenen nicht einsieht oder nicht einsehen will, ist mir eine alte Sache, allein nie hatte er noch seine Verzweiflung an der Bildung derselben zu nützlichen Menschen so glatt ausgesprochen, wie heute, als er sagte, wenn er jetzt gefragt würde, ob man hoffen könne, daß die alten Urbewohner nützlich (available) werden könnten, so würde er entschieden Nein sagen. Ich erwiederte, ob das im Ernst seine Überzeugung wäre? und als er sie wiederholte, legte ich ihm die Frage vor: wozu man dann einen Beschützer nöthig hätte und was ein solcher nutzen könnte? Er meinte, sie vor Beleidigungen zu schützen. Ich antwortete, das könne die Polizei eben so gut. Diese aber, sagte er darauf, sei den Eingeborenen feindlich. Ich: Bei dieser Ansicht würde dann das seine blos eine schützende Polizei sein.

Er suchte zwar seine Meinung zu be- ( 192 ) weisen und zu beschönen, allein es scheint mir dann doch, daß ein Mann von solchen Grundsätzen vor seinem Gewissen nicht verantworten kann, Beschützer der Eingeborenen zu sein. --

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